77 Prozent der deutschen Unternehmen besitzen laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage weiterhin ein Faxgerät, ein Viertel nutzt es sogar häufig oder sehr häufig. Der Hauptgrund liegt nicht bei den Unternehmen selbst — sondern bei der Verwaltung, mit der sie kommunizieren müssen.
Bitkom, der Digitalverband der deutschen IT-Branche, hat im Januar und Februar 2024 604 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten befragen lassen. Ergebnis: 77 Prozent besitzen noch ein Faxgerät, 25 Prozent nutzen es häufig oder sehr häufig. Als häufigsten Grund nannten die befragten Unternehmen laut Bitkom die Kommunikation mit Behörden — für viele sei das Fax dort schlicht noch der erwartete Kanal.
Wie sehr der Staat selbst am Fax festhält, zeigt eine Zahl aus Baden-Württemberg: Eine Landtagsanfrage des FDP-Abgeordneten Daniel Karrais, beantwortet vom baden-württembergischen Innenministerium, ergab, dass die Landesministerien zusammen mehr als 1.400 Faxgeräte betreiben. Allein das Innenministerium kommt mit seinen vier Regierungspräsidien auf 568 Geräte, das Justizministerium auf mindestens 585, das Finanzministerium auf 164, das Kultusministerium auf 53 und das Landwirtschaftsministerium auf 41. Staatskanzlei, Wirtschafts- und Verkehrsministerium führen dagegen kein einziges Faxgerät mehr.
Das Innenministerium begründet den Bestand mit drei Punkten: als Rückfallebene, wenn elektronische Kanäle ausfallen, zur Wahrung von Formvorschriften und Fristen, und mit einem Angebot an Bürgerinnen und Bürger, die diesen Kanal weiterhin bevorzugen. Bitkom sieht das kritischer und wertet die fortbestehende Fax-Pflicht als einen der Gründe, warum Medienbrüche die Digitalisierung insgesamt ausbremsen.
Ganz bewegungslos ist die Lage nicht: 2018 nutzten laut Bitkom noch 95 Prozent der Unternehmen Fax, 2022 waren es 88 Prozent, 2024 dann 77 Prozent. Der Rückgang ist real, verläuft nach Einschätzung von Bitkom aber deutlich langsamer, als man angesichts der verfügbaren digitalen Alternativen erwarten würde.
International schneidet Deutschland beim digitalen Verwaltungsangebot schwach ab: Eine Studie des Beratungsunternehmens Capgemini sieht das Land nur auf Platz 24 von 27 EU-Staaten. Selbst Düsseldorf, das im Bitkom-eigenen Smart-City-Index auf Platz sechs unter deutschen Städten liegt, bietet nach eigenen Angaben erst rund 120 von 580 Verwaltungsleistungen online an — gut 20 Prozent.
Für viele Behörden, Kanzleien und Praxen bleibt das Fax der erwartete, formgerechte Weg — auch wenn niemand mehr ein eigenes Faxgerät besitzt. pdftofax.com schickt ein PDF als Fax, ohne eigenes Gerät und ohne Abo: bezahlt wird erst, wenn die Zustellung bestätigt ist.
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